„Vorwärts immer! Rückwärts nimmer!“
Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Die einen mit einem sentimentalen Blick auf die Deutsche Demokratische Re’plik, wie der alte Erich sie so nannte, die olle DDR.
Ok. Wenn ein Wessi das sagt -und das bin ich ja-, dann wirkt das immer gleich so arrogant. Dabei ist es eher ganz harmlos witzig gemeint. – Hessssisch ist auch nicht besser – bei der Gelegenheit. Also cool bleiben. Es geht um ganz was anderes! Und da könnte dann der Blick zurück auf den 17. Juni 1953 in der Haupstadt der DDR, Ostberlin, helfen.
Es ging neudeutsch um Arbeitsverdichtung.

Sie sollten also mehr arbeiten. um den sozialistischen Wettbewerb mit der kapitalistischen BRD (Bundesrepublik Deutschland / Westdeutschland) zu gewinnen.
Pünktchen,Pünktchen,Pünktchen, (…)
Merkt Ihr was? Da scheint es doch Ähnlichkeiten zu geben? „Arbeitet mehr! (Ihr faulen Säcke!)“, „Neun Stunden pro Tag ist ja nun nicht so viel mehr -oder? (Ihr Luschen!)“ Eine Stunde … Das sind läppische 12,5 % mehr. Nun stellt Euch mal nicht so an! Und Eure Zahnarztbesuche zahlt Ihr bei der Gelegenheit dann auc gleich mal selbst!
12, 5 % – Wie hoch war noch die Reallohnsteigerunng in den letzten 20 Jahren? ChatGPT sagt, etwa 11 % . ABER: Während sich die Kaufkraft in den letzten 20 Jahren nur mäßig entwickelt hat, haben sich die Reallöhne im gleichen Zeitraum nur mäßig entwickelt.
OK. Was bedeutet dann die Forderung nach 12,5 % mehr Arbeit -ziemlich sicher ja ohne analoge Entgelterhöhung?
Diese eine Stunde Mehrarbeit ohne Entgeltausgleich ist eine Reallohnkürzung von 12,5 %. Damit würden dann also wieder einmal nur die Unternehmen profitieren. Aber eben nur kurzfristig! Und das ist genau das, wie Manager -nicht echte Unternehmer- denken: Kurzfristig! Diese ewige Quartalsdenke der hochbezahlten und eigennutzmaximierenden Manager hat viele Innovationen in diesem Land aus Angst vor dem Risiko verhindert! Sie tragen hauptsächlich die Verantwortung für das Festhalten am Verbrenner! Als andere Nationen schon -Achtung! Wortwitz- Gas gegeben haben, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu forcieren.
In unserem Land konnten sich die Bosse darauf verlassen, dass, ganz gleich unter welcher Regierung, immer staatliche Hilfe naht, wenn man mal etwas weniger Reingewinn hatte. Dann wird ordentlch gejammert, mit Arbeitplatzverlusten durch Weggang gedroht und ganz schnell greifen wir mal mit Steuergeld ein!
Von wegen „der Markt wird’s schon richten!“. Das wird immer geschrien, wenn „der Staat“ mal über Steuererhöhungen nur laut nachdenkt. „Überregulierung!!!“ Diese falschen Heulbojen! Am Ende geht es den CEOs von heute nur um ihren eigenen Hintern. Sie haben nicht die Bohne Interesse an langfristigen Lösungen. Warum auch? Sie müssen irgendwie in relativ kurzer Zeit möglichst viel Staub aufwirbeln, Geschrei machen, auffallen. auffallen durch: Personalabbau, Entgeltkürzungen, Verlassen der Tarifpartnerschaften, Einschüchtern von Betriebsräten, am liebsten würde man die gleich abschaffen. Die stören nur. Von wegen „Gleichheitsgrundsatz“, „faires Entgelt“ … So ein Blödsinn! Die sollen mal froh sein, dass sie für mich arbeiten dürfen! – Oh! Ich habe die Anführungszeichen vergessen.
Als Mitarbeiter in meinem Unternehmen nehme ich das gar nicht so richtig wahr. Die hohe Arbeitsbelastung lässt mich froh sein, wenn ich abends noch meine Familie sehe, bevor ich nach einigen letzten Blicken auf mein Smartphone stumpf ins Bett falle, um vorm Einschlafen noch zehntausend Gedanken durchs Hirn schießen zu lassen. – Mit denen ich dann morgen selbstverständlich wieder aufwache! BurnOut lässt grüßen, wenn mich meine Familie nicht mehr ertragen kann, mit meiner Übellaunigkeit. Was soll’s? Ich kann und will und kann oder doch nichts daran ändern. Früher! Früher waren wir ein hochmotivierter Haufen, der, wenn’s drauf ankam, bis in die Puppen gearbeitet hat. Wenn das Projekt dann abgeschlossen war, gab’s Sekt! Wir waren erschöpft, hatten aber Top-Laune! Und ein paar Tage mal weniger zu tun. Zeit zum Auftanken! Und dann ging’s weiter.
Heute? Heute hast Du Dein Projekt noch nicht einmal fertig … -habe „Dein Projekt“ gesagt?? „Deine Projekte -bis zu 20 gleichzeitig (KEIN WITZ!- in unterschiedlicher Intensität bei der Beteiligung, aber man muss ja quasi immer alle Projeke im Kopf haben. Da ruft nämlich immer wieder mal jemand an und muss „ganz dringend“ ein paar Antworten haben). Also Multi-Projektmanagement in Reinstform! Und da wir digital immer noch nicht so richtig gut unterwegs sind (Softwarelizenzen kosten Geld -Oh Schreck), finde ich auch keine echte Arbeitserleichterung in unsern Systemen. Systeme! Es gibt kein System, es gibt keine oder keine guten und bis zu Ende gedachten Prozesse mehr. Wir sind jetzt in der Matrix 😉
Der Umformungsprozess fordert halt Opfer! Hauptsache „die Mutter“ ist zufrieden. Wer das ist? Na selbstverständlich wieder die angeblich von Aktionären – Blackrock(sic!) getriebenen „Manager.“ Angestellte einer unsichbaren Aktionärsmacht, die ihre Angestellten „CEOs“ nach Belieben oder Erfolgsbetrachtung entfernt. -Siehe oben: man glänzt durch Entlassungen! Immer eine gute Aktion.
Und so läuft es dann. Aus dem guten alten, wie ein Startup geführten Spinn-off eines familiengeführten Industrieunternehmens mit weltweiter Produktion und sehr guten Handelsbeziehungen wurde nun ein überdrehter Möchtegern-Riese, der nur durch Zukäufe zu der Größe gelangt ist, die er nun hat. Nach der üblichen Schonfrist wurden dann die Top-Manager und Geschäftsführer geschasst. Sie hätten keine gute Arbeit geleistet … ja nee, ist klar. In den Jahren, in denen ich für die Company gearbeitet habe, ging es eigentlich immer nur nach oben. – „jaaaa, aber die Maaaaaargeeeee!“. Das kommt immer gut! Eine neue „Mutter“, die von Just-in-Sequence und Automotive anscheinend grundsätzlich nicht soooo die Ahnung hat, weiß nun ganz genau, wie hoch die Marge sein muss. Ach herrje.
Ich muss mal … Pause machen. … Aber schaut noch mal nach ganz oben. „Arbeitsverdichtung“, „Arbeiteraufstand“ … – Klickt es?

Neeeeiiin, nicht der Jammerlappen!

Das Bild stammt von der Bundeszentrale für politische Bildung. –> https://www.hanisauland.de/wissen/kalender-allgemein/kalender/17-juni-1953-volksaufstand-ddr
Und? Schaut mal auf den Text unmittelbar darunter:
„Am 16. Juni 1953 protestierten Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter in Ostberlin in der DDR. Sie sahen nicht ein, dass sie noch mehr als bisher schon arbeiten sollten, ohne dafür wenigstens mehr Geld zu bekommen. Die Arbeiter streikten, viele Menschen unterstützten sie. Heute vor 73 Jahren, am 17. Juni, kam es zum ersten großen Volksaufstand in der DDR. Die Menschen wehrten sich nicht nur gegen die Erhöhung der Arbeitszeit. Sie forderten auch freie Wahlen und das Ende der Unfreiheit. Manche riefen: „Weg mit der SED-Regierung“. …“
Die Hervorhebung durch mich. SIE SAHEN NICHT EIN! und: SIE STREIKTEN!
Und heute? Merz und Söder und die Wirtschaftsunion hauen sich einen nach dem anderen raus und wir schauen zu.
Mal abgesehen davon, dass das alles volkswirtschaftlicher Blödsinn ist (Kaufkraft versus kurzfristige Entlastung, siehe oben „Manager“),ist das respektlos, verachtend, entwürdigend. Aber was will man von einem Blackrock-Menschen erwarten, der das höchste Amt im Lobbyismus hat? Ein Mann, der immer nur mit Humanressourcen und „Fulltime Equivalents“ gerechnet hat. Zahlenmenschen! – Nichts gegen die dort Arbeitenden … Aber weiter oben sitzen schon merkwürdige Leute. Sicher, dort finden sich auch schon mal nette Kollegen. Aber … 😉
Schönen Abend noch.

